Vorbei am Gefängnis, vorbei am Bad
Dürkheimer Fass
EULENBIS: 30.
Modellbahnbörse zieht rund 500 Besucher an - Der
Computer ersetzt bei den Lokomotiven den
Aufziehschlüssel von einst
Die schwarze Lokomotive setzt sich nach einem
Pfeifen zischend in Bewegung. Deutlich hörbar
sind die Aktivitäten auf dem Führerstand.
Originalgetreu sind die technischen Vorgänge in
der Dampfmaschine zu vernehmen. Nicht an einem
Bahnhof, sondern im Erdgeschoss des Eulenbiser
Bürgerhauses spielten sich gestern diese Szenen
ab. Dort lockte die Modellbahnbörse rund 500
Besucher an.
Veranstalter der Modellbahnbörse war die
Ortsgemeinde, die Organisation hatte der Kultur-,
Fest- und Umweltausschuss der Gemeinde
übernommen. Die gestrige Ausstellung war die 30.
ihrer Art. Die Schau habe sich im Laufe der
vergangenen 15 Jahre deutlich gewandelt,
berichtet Gerd Stier, Gründer und Organisator.
Wir sind den Wandel mitgegangen,
betont Stier mit Blick auf den Nachwuchs.
Wer die Jugend für sich gewinnen will,
muss Elektronik bieten, fügt er an.
Tatsächlich haben digitale Boxen und Computer
die Aufziehschlüssel der Lokomotiven von einst
ersetzt. Weichen werden heute nicht mehr von Hand
gestellt, sondern digital über ausgereifte
Computerprogramme. Das demonstriert auch
Karl-Heinz Weißmann aus Mackenbach, der zum
Modellbauclub Freisen gehört. Die gesamte Anlage
hat der ausgebildete Fernmeldetechniker selbst
konzipiert, das Herzstück ist die
Steuerung, betont er. Eine Computeranlage
mit 18 Platinen steuert sämtliche Aktivitäten.
Die Anlage muss alleine laufen,
begründet Weißmann diesen Aufwand und kann sich
seelenruhig seiner Gattin widmen. Sie verfolgt
das Geschehen von der Winterbahn aus,
einer liebevoll in Kunstschnee gehüllten
Eisenbahnanlage.
Aus dem Führerstand der Gartenbahn
ist das Kohleschippen zu hören, die Tür
quietscht, und schon setzt sich der Zug in
Bewegung. Loderndes Feuer ist in der Lokomotive
zu erkennen, die Geräusche werden mit
zunehmender Geschwindigkeit immer lauter. Vorbei
geht die Zugfahrt am Gefängnistrakt, wo die
Hofgänger hinter den dicken Mauern ihre Runden
drehen, und am Bad Dürkheimer Fass, vor dem sich
Gastronomiepersonal bewegt.
Allen
modernen Anlagen zum Trotz: Jugendliche
schwärmen auch für nostalgische Züge.
Erst
wenige Jahre auf dem Markt ist der
Rollenprüfstand, der sich von der bisherigen
Schienenbasis deutlich unterscheidet. Das
einfache Gerät, das Marion Zeller aus Eislingen
selbst herstellt, ist bedeutend billiger und
lässt die Eisenbahnfreunde staunen.

Weitgehend
Männersache: Große und kleine Eisenbahnfreunde
schauten sich gestern begeistert auf der
Modellbahnbörse um, die bereits zum 30. Mal im
Eulenbiser Bürgerhaus stattfand. Dort gab es
nicht nur Schienenfahrzeuge zu bestaunen, sondern
auch Autos und Nutzfahrzeuge.
Schöne alte
Loks gibt es viele, doch dafür reicht mein
finanzielles Budget nicht, erzählt der
zwölfjährige Nico Rahm aus Heiligenmoschel nach
seinem Rundgang durch das Erdgeschoss des
Bürgerhauses. Um meine Wünsche erfüllen
zu können, muss ich noch kräftig sparen,
sieht er ein. Seine Anlage zu Hause ist moderner,
aber dennoch schwärmt der junge Mann für
nostalgische Eisenbahnen.
Nicht nur die Jugend, sondern auch die erfahrenen
Eisenbahnfreunde haben Spaß an den vielen
ausgestellten Modellen. Viele Fachgespräche
werden untereinander oder mit den Ausstellern
geführt. Dabei gibt es Tipps und Anregungen,
meist aber werden die eigenen Anlagen und
Entdeckungen präsentiert.
Die Augen richten sich auf den in Eigenbau
errichteten Triebwagen, der um das Jahr 1950
entstanden ist. Ausgestattet mit einem
leistungsstarken Motor, der schließlich das
Schienenfahrzeug mit seinen rund zweieinhalb
Kilogramm in Bewegung setzen soll. Etwa von 1930
stammt der historische Bahnhof, den Dieter Steitz
aus Kaiserslautern entdeckt, sandgestrahlt und
neu lackiert hat. Steitz ist in Fachkreisen für
seine Raritäten bekannt und immer wieder ein
Ansprechpartner für Eisenbahnfreunde.
Neben den Schienenfahrzeugen nehmen
Räderfahrzeuge bei der Modellbahnbörse einen
großen Rahmen ein. Ob ein schon in die Jahre
gekommener und etwas lädierter Kabinenroller
oder ein moderner Sportwagen - die Palette der
Personenkraftwagen ist breit. Hinzu kommen
Nutzfahrzeuge und viele Landschaften. Ergänzt
wurden die Modelle durch Stofftiere und
Handarbeiten. (osw)
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Der Adler dampfte
in Eulenbis über die Gleise


Immer
wieder bestaunt ein Miniaturhubschrauber, den
Gerd Stier auf Wunsch vieler kleiner und großer
Börse-Besucher in die Luft gehen ließ (1.
Bildleiste rechts). - 2. Bildleiste: Nico Reuß
und Bernd Constantz mit Frank Ehmke. Der Adler
dampft in Eulenbis. Marcel interessiert sich für
die Gartenbahn von Gerd Stier.
Mit der Eröffnung der ersten deutschen
Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth am 7.
Dezember 1835 hatte das Dampfross seinen
Siegeszug angetreten. Die Bahn machte die
Menschen mobil. Der Adler war die erste
Lokomotive, die kommerziell die etwa sechs
Kilometer lange Gleisstrecke zwischen Nürnberg
und Fürth befuhr. Eine recht zugige und rauchige
Angelegenheit für den Lokführer, wie der
aufmerksame Besucher der Modelleisenbahn- und
Spielzeugbörse feststellen konnte, die am
vergangenen Sonntag im Bürgerhaus von Eulenbis
bereits zum 30. Mal stattfand. Auf der liebevoll
gestalteten vollautomatisch computergesteuerten
N-Spur-Anlage (9-mm-Spur) von Karl Heinz
Weißmann aus Mackenbach nämlich damptfe ein
Miniatur-Adler über die Gleise, vorbei an
Bahnhöfen, einem kokelnden Haus, davor die
angerückte Feuerwehr mit blinkendem Blaulicht,
über Brücken und durch Tunnels. Aber auch
moderne Ausgaben infrarotlicht-gesteuerter
Minitrix-Züge flitzten durch die Kurven.
Bedeutend handlicher waren die Züge auf der
Anlage von Gerd Stier, Gründer der Börse und
für den veranstaltenden Kultur-, Fest- und
Umweltausschuss der Ortsgemeinde zuständige
Organisator. Der ließ die Mallet-Lokomotive der
Marke LGB zu einer täuschend echten
Geräuschkulisse ihre Runden drehen. Ein
Knopfdruck von Stier und schon ertönten die
Geräusche von zuschlagenden Türen, zischendem
Dampf, Pfeifen, bremsenden und abfahrenden
Zügen. Der technische Wandel bei der Bahn ist
längst auch bei den Freunden der Modelleisenbahn
angekommen. Ohne Elektronik läuft hier kaum noch
was. Höchstens bei den Nostalgikern.
Annähernd 20 Aussteller präsentierten auf 330
Quadratmetern im Erd- und Obergeschoss des
Bürgerhauses ihre Schätze, die seit
Generationen Objekte der Begierde für
ungezählte Modelleisenbahnfans sind. Nahezu
alles, was das Herz begehrte, war in Eulenbis zu
finden: Lokomotiven, Wägen, Gleise, Elektronik,
Figuren, Gebäude, Autos. Von Letztgenannten
hatte Frank Ehmke ungefähr 500 mitgebracht und
ausgestellt. Griffbereit einen 1.200 Seiten
dicken Katalog mit sämtlichen Fahrzeugen samt
detaillierter Angaben der Wikingmodelle. 2003 ist
diese Gesamtübersicht letztmals erschienen. Nico
Reuß und Bernd Constantz aus Kaiserslautern
waren allerdings von der etwas größeren Ausgabe
eines Ferraris angetan.
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