Mekka eingefleischter
Modelleisenbahnfreunde



Ausgesprochene
Fastnachtsmuffel waren am Sonntag bei der
Modelleisenbahnbörse in Eulenbis bestens
aufgehoben. Die vom Kultur-, Fest- und
Umwelt-Ausschuss der Ortsgemeinde bereits zum 29.
Male veranstalteten Börse erfreut sich unter den
Freunden und Sammlern großer Beliebtheit. Ein
Mekka für eingefleischte Modelleisenbahnfreunde.
Aussteller wie Interessierte kommen aus der näheren,
aber auch weiteren Umgebung auf der Suche nach
dem ultimativen Schnäppchen.
In diesem Jahr waren die surrenden
Proaxilahelikopter mit vier Rotorblättern und in
verschiedenen Größen die Hingucker schlechthin.
Etwa 30 cm groß ist der T 634. Das filigrane
250-Gramm-Leichtgewicht zog ferngelenkt und
blinkend seine Bahnen über den Köpfen der
Besucher. Am "Steuerknüppel" Thomas
Schrod. Er begleitet seine Frau, die seit drei
Jahren in Mannheim den Helikopter Shop betreibt.
Hier kann man nicht nur kaufen. Dank eines großen
Ersatzteillagers bietet Tatjana Schrod auch
Reparaturen in der dem Shop angeschlossenen
Werkstatt an.
Die wahren, echten Eisenbahnfans aber zog es an
die Stände mit all dem, was das Herz eines
Modelleisenbahnfreaks höher schlagen lässt.
Loks, Waggons, Schienen und Zubehör für die
Anlagen in den unterschiedlichsten Größen.
Karsten Prager kommt aus Kaiserslautern. Er hält
Ausschau nach einer Lok: HO, Gleichstrom. Er ist
dabei, sich eine Anlage neu aufzubauen. Schienen
hat er, und einige Fahrzeuge; bei weitem noch
nicht komplett. Er besaß einmal eine Spur N, hat
sie aber aus Platzgründen verkauft. "Aber
das Interesse an der Modelleisenbahn
bleibt", meint er und nimmt Dampflok und
Triebwagen näher unter die Lupe.
Dieter Steitz ist Aussteller, der seine
ansehnliche Sammlung ausdünnen und sich von
eigenen Sammlerstücken trennen möchte. Sein
Prunkstück ist aus Blech und stammt aus den 30er
Jahren des letzten Jahrhunderts: eine große Märklin-Dampflok
und zwei Wägen.
Das Metermaß in der Hand eilt Jakob Biegi ins
Eulenbiser Bürgerhaus. "Es ist schön, dass
es hier noch alte Sachen gibt", meint er und
legt den Meter an, schließlich sollen die Käufe
passen. Er hat sich eine gebrauchte Anlage
zugelegt und muss die Gegebenheiten berücksichtigen.
Biegi hat ein Faible für die Landschaft, durch
die seine Züge einmal schnurren werden und lässt
sich dann auch schon mal von schönen französischen
Gegenden inspirieren.
Karl Heinz Weißmann gehört mit seiner
aufgebauten Anlage im Erdgeschoss des Bürgerhauses
bereits zum Inventar der Börse. In diesem Jahr
machte ihm allerdings seine Frau Elke Konkurrenz.
Mit einer winterlich gestalteten Kleinanlage im
Maßstab N. Diese war ein früher grünes
Fertigmodell aus den Jahren 1975 bis 1980. Ein
Bekannter hat es dem leidenschaftlichen
Modelleisenbahner aus Mackenbach vor drei Jahren
überlassen. Drei vorübergegangene Weihnachten
waren der Ehefrau zuviel. Der Enkel sollte
endlich auch seine Anlage bekommen. Und so machte
sich Elke Weißmann ans Werk. Die ehemaligen
Bahnhofskioske aus dem Fundus des Gatten wurden
als Buden für den Weihnachtsmarkt umgestaltet.
Gerd Stier, der geistige Vater der Börse, die
erstmals 1996 im Bürgerhaus stattfand, war mit
dem Besuch zufrieden. Er selbst ist mit einem
Stand auf der Börse vertreten. Für seine
nagelneu gestaltete Burganlage hat er in
nullkommanix einen Käufer gefunden.
Text/Fotos: bm
Die Anlage
von Karl Heinz Weißmann
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Da werden Lokführerträume wahr
Eulenbis: Modelleisenbahn-
und Spielzeugbörse stößt als
Alternativprogramm zur Fastnacht auf großes
Interesse
Von Jürgen Link

Die
Miniatureisenbahnen lassen vor allem
Männerherzen höher schlagen: Gestern im
Eulenbiser Bürgerhaus wurden aber auch kleine
Autos oder Hubschrauber ausgestellt. FOTO: VIEW
Treffpunkt für mehrere hundert Modellbahnfreunde
aus dem gesamten südwestdeutschen Raum war
gestern wieder das Bürgerhaus in Eulenbis. Der
Kultur-, Fest- und Umweltausschuss (KFU) der
Gemeinde hatte zur Modelleisenbahn- und
Spielzeugbörse geladen.
Den ganzen Tag über drängten sich Menschen
aller Altersgruppen zwischen den Ständen der
rund 20 Anbieter, die wie die Gäste teilweise
bis aus dem Rhein-Main-Gebiet extra für die
Börse in die Westpfalz gereist waren.
Wir veranstalten die Modelleisenbahn- und
Spielzeugbörse jetzt zum 29. Mal, sagte
Gerd Stier vom KFU. Der bekennende
Modelleisenbahnfreund ist so etwas wie der
geistige Vater der erfolgreichen Veranstaltung,
die seit 1996 im Bürgerhaus stattfindet. Damals
hatte man die gute Stube von Eulenbis
gerade frisch eingeweiht, wollte das Haus mit
Leben erfüllen - und Stier hatte den Einfall
für die Börse: Seit 1999 richten wir die
Veranstaltung zweimal im Jahr aus. Damit wollen
wir den Menschen, die nicht unbedingt auf
Fastnacht stehen, ein bisschen Zerstreuung
bieten.
Dazu gehört die Familie Wiesner aus
Enkenbach-Alsenborn, die mit ihrem sieben Jahre
alten Sohn Luca nach Eulenbis gekommen ist.
Ich hatte früher eine Modelleisenbahn, die
funktioniert allerdings nicht mehr, sagt
Vater Gerhard. Vielleicht werde ich mein
Hobby aus Kindertagen wieder aufleben lassen.
Dabei bin ich sicherlich nicht allein.
Schmunzelnd schaut er auf seinen Sohn, der
wiederum fasziniert die Züge verfolgt, die auf
der Schauanlage
fahren.
Derweil wird im Obergeschoss gehandelt und
getauscht. Verkauft wird unterschiedlichstes
Zubehör überwiegend für Modellbahnanlagen von
der winzig kleinen Spurbreite Z im
Maßstab 1:220 bis hin zur Gartenbahn-Anlage im
Maßstab 1:22,5 werden Loks und Wagen, Schienen,
Weichen, Signalanlagen, Bausätze für Häuser
und jedes erdenkliche Zubehör angeboten.
Ein echter Nischenanbieter ist Heinz Hanewald,
der sich auf Modellautos spezialisiert hat. Die
kleinen Autos werden im Allgemeinen auf einer
Miniatureisenbahnanlage nur als schmückendes
Beiwerk wahrgenommen. Echte Modellbau-Freaks
schenken ihnen aber mindestens ebenso viel
Beachtung wie den Dampfloks und Waggons. Hanewald
hat mit einer Fläche von rund 18 Quadratmetern
den größten Messestand in Eulenbis. Ich
kann Ihnen nicht sagen, wie viele verschiedene
Autos ich dabei habe, vielleicht sechs- oder
siebentausend, meint der Pfungstadter.
Dass das Computerzeitalter auch auf den
Sperrholzplatten der Modellbahner Einzug gehalten
hat, wird einen Stand weiter bei Reiner Bittes
aus Lambsborn deutlich, einem der wenigen
Lokalmatadoren in den Reihen der Aussteller. Er
bietet unter anderem Lokomotiven an, die digital
gesteuert werden und nicht nur Fahrgeräusche wie
das Original erzeugen können, sondern auch Rauch
- das hat natürlich seinen Preis.
Eher etwas für den kleinen Geldbeutel und für
diejenigen, die nicht in Spurbreiten wie H0, S, N
oder Z denken, bietet Tatjana Schrod aus Brühl
bei Heidelberg an: Hubschrauber. Die kleinsten
Exemplare wiegen nur wenige Gramm, sind jedoch
wie ihre Vorbilder flugfähig und dank modernster
Steuerelektronik kinderleicht zu bedienen. Das
können schon die Sechsjährigen, sagt die
Nordbadenerin, die zum ersten Mal in Eulenbis
dabei ist.
Man lege viel Wert auf einen Mix zwischen
altbewährten und neuen Ausstellern, um den
Besuchern zweimal im Jahr Abwechslung bieten zu
können, verdeutlicht Gerd Stier. Er hat am
vergangenen Wochenende übrigens zusammen mit
einer Handvoll bewährter Helfer dem Bürgerhaus
eigentlich nur nachts für einige wenige Stunden
den Rücken gekehrt.
Der Erlös der Modelleisenbahn- und
Spielzeugbörse kommt dem KFU und damit wiederum
dem Dorf zugute. Beispielsweise hat der Ausschuss
damit in der Vergangenheit Buswartehäuschen in
Eulenbis finanziert - diese waren allerdings im
Maßstab 1:1.
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