Die Eulenbiser Kauf- und Tauschbörse,
die der Kultur-, Fest- und Umweltausschuss der
Ortsgemeinde organisiert, ist im Kalender von
Modelleisenbahnfans ein fester Termin. Einer von
ihnen ist Gerd Stier. Meine erste
elektrische Eisenbahn wird weiterhin behütet und
nicht verkauft!", betont der Eulenbiser.
Weniger Probleme hat er allerdings, sich von
Folgemodellen, die mittlerweile auch schon um die
40 Jahre alt sind, zu trennen. Diese will er bei
der gut besuchten Eulenbiser Börse verkaufen.
Der aus dem Saarland stammende Gerd Stier bekam
als Fünfjähriger seine erste Eisenbahn, an die
er sich noch gut erinnern kann. Keine Elektronik,
die das Geschenk bewegte, sondern Handarbeit war
damals noch gefragt. Zunächst musste die Lok mit
einem Vierkantschlüssel aufgezogen"
werden, dann trieb die gespannte Feder den
Triebzug an. War die Spannung der Feder
weg, blieb der Zug stehen", erinnert er
sich. Dieser Triebzug konnte auch rückwärts
fahren, es musste nur über einen Hebel eine
Umschaltung vorgenommen zu werden.
Nicht nur Kinder
bekommen große Augen, wenn eine Modellbahn durch
die Miniaturlandschaft fährt. Während die
Modelle früher aus Metalldruckguss waren, sind
sie heute aus Kunststoff.
Seine erste Eisenbahn endete mit einem
Totalschaden, nicht auf den Gleisen, sondern
durch einen Sturz aus dem Fenster im zweiten
Stock. Im Alter von sieben erhielt er dann eine
elektrische Eisenbahn, die Nachbildung einer
Dampflokomotive. Die Lokomotive war recht
schwer, bestand sie doch aus
Metalldruckguss", erzählt Stier. Im
Gegensatz zu den heutigen Modellen, die aus
Kunststoff hergestellt werden." Mit fünf
Waggons drehte sie ihre Runden auf dem Oval,
gespeist vom elektrischen Strom. Diese Eisenbahn
befindet sich noch heute in seinem Besitz
und so wird es auch bleiben", sagt
Stier mit Nachdruck.

Trennt sich bei
der Börse in Eulenbis nur von einigen seiner
Bahnen: der leidenschaftliche Sammler Gerd Stier
Dagegen kommen heute nachfolgende Modelle zum
Verkauf, so eine Märklin-Eisenbahn von 1971 der
Spur H0. An dieser Bahn hängen ebenfalls viele
Erinnerungen. Sie wurde in Stiers neuer Heimat in
Zweibrücken erstmals installiert, und zwar im
Esszimmer. Als die Anlage komplett aufgebaut war,
war so mancher Einrichtungsgegenstand im
Esszimmer überbaut, lacht er. Mittlerweile hat
der staatlich geprüfte Elektrotechniker die Bahn
an einen katholischen Pfarrer für eine
Jugendgruppe verkauft.
Die Großen warten
unterm Tisch
Doch weitere Modelle folgten, von denen
Stier an diesem Wochenende die eine oder andere
Lok zum Verkauf anbietet. Zum Beispiel eine
historische Dampflok aus den 60er Jahren der
Baureihe 01. Immer wieder erstaunt sind die
Betrachter über das Gewicht einer Elektro-Lok
der Baureihe 115, ebenfalls aus Metalldruckguss.
Und die Kinderaugen werden noch größer, wenn
sie die übergroßen Lokomotiven auf dem
Fußboden entdecken, die auf den
Ausstellungstischen nicht unterzubringen sind.
Die Trennung fällt schwer
Liebevoll packt Stier die Raritäten aus
und stellt sie auf den Tischen zur Begutachtung
aus. Neben den Lokomotiven und Waggons zieren
auch zahlreiche Landschaftsteile und Schienen die
Ausstellungsfläche. Natürlich gehören zu einer
ausgereiften Anlage auch begleitende
Gerätschaften wie der Kran aus den 70er Jahren.
All diese Besonderheiten präsentiert Stier an
diesem Tag und so machen Artikel braucht er am
Abend nicht mehr zu verpacken. Etwas Wehmut sei
schon dabei, gibt er zu, doch sie verfliegt, wenn
er ans eigene Haus in Eulenbis denkt.
Dort ist im Keller auf einer Plattform von drei
mal vier Metern eine neue Anlage entstanden, nach
dem neusten Stand der Technik und mit einem
Stellpult, das nur so gefüllt ist mit
Elektronik. Die Preise im Vergleich zu den
früheren Modellen seien deutlich gestiegen,
resümiert Stier: Es ist durchaus ein
teures Hobby."
Sind Fragen zu Baureihen oder Spurbreiten in der
Runde, ist Gerd Stier immer wieder ein
Ansprechpartner für Aussteller und Gäste. Im
Bürgerhaus drehen sich an diesem Tag in
Modellform Karussells, leuchtet die Achterbahn
auf und blinkt es an den Kirmesständen. Gleich
daneben dreht eine Lokomotive früherer Jahre
einsam ihre Runden und wird von den Besuchern
immer wieder bestaunt.
Vom Nebentisch ist ein Signal zu hören, gleich
dahinter steigt der Dampf aus einer Lokomotive
auf. Ein begeisterter Fan solcher Eisenbahnen ist
Axel Ross, der mit den achtjährigen Zwillingen
Pascal und Lucas seine Runden dreht. Doch die
Ausstellungen lassen nicht nur die Herzen der
Kleinen höher schlagen. Bestes Beispiel ist Gerd
Stier, den es in jungen Jahren gepackt hat und
der bis heute nicht von der Eisenbahn lassen
kann.
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