
Prüfender Blick: Kurt
Müller und André Schmidt aus Güdingen (v. r.)
betrachten
sich in Eulenbis Miniaturausgaben von
Kerwefahrgeschäften.
Zum 14. Mal war das
Bürgerhaus Eulenbis gestern Anziehungspunkt für
Modellbahn- und Spielzeugsammler. Bereits seit
acht Jahren richtet der Kultur-, Fest- und
Umweltausschuss der Gemeinde die Börse aus.
Neu sei in diesem Jahr, dass
mehr Anbieter von weit her kommen, so
Ausschussmitglied Gerd Stier. Zwei kommen aus dem
Frankfurter Raum, weitere zwei aus dem
Ruhrgebiet. "Ansonsten kommen viele vom
Saarland bis weit hinter Mannheim", erklärt
Stier. "Bei der letzten Veranstaltung
konnten wir circa 500 Besucher über den Tag
zählen."
Arnulf Kettler ist aus Essen angereist, um in
Eulenbis auszustellen. "Vor allem deswegen,
weil die wirtschaftliche Situation bei uns im
Ruhrgebiet noch schlechter ist als hier",
erläutert der 49-Jährige. Er biete das ganze
Spektrum an Eisenbahnzubehör an, in der
Hauptsache allerdings gebrauchte Waren. Meist
stellt er im Rhein-Main-Raum aus, Eulenbis sei
ein "Zufallsprodukt", die Veranstaltung
hatte er im Börsenterminblatt gefunden.
"Hierher fahre ich am weitesten", sagt
er.
Heinz Hanewald hat 115 Kilometer Fahrt auf sich
genommen, er stammt aus Pfungstadt bei Darmstadt
und hat eine Ausstellungsfläche von zwölf
Quadratmetern auf drei Ebenen angemietet.
"Irgendwann hat man zuviel Zubehör und dann
bin ich eben auf Börsen gegangen", sagt der
Sammler, der hauptsächlich Börsen im Umkreis
von bis zu 150 Kilometer bereist. "Eine
Börse ist wie eine Lotterie, manchmal hat man
einen dreier mit Zusatzzahl, mal auch eine
Niete." Für ihn rechnet sich eine
Veranstaltung erst ab einem Tagesumsatz von 250
Euro, er hat aber mit seinem Kleingewerbe auch
schon mal an die 1000 Euro an einem Tag
umgesetzt.
Seit Anfang dabei ist Dieter Steitz, 65-jähriger
Maschinenbauingenieur aus Kaiserslautern. Er
verkauft nicht nur, sondern erwirbt auch einzelne
Komponenten, um seine eigene Märklin-Anlage zu
Hause zu komplettieren. "Seit meinem zehnten
Lebensjahr habe ich mit Eisenbahnen zu tun",
gesteht er. Mittlerweile hat er seinen kompletten
Speicher mit Schienen ausgelegt, "ich stoße
jetzt irgendwann an die Grenze der
Aussenmauer", sagt er lachend. Sein
Spezialsammelgebiet sind alte
Märklin-Lokomotiven und man merkt, dass er, wie
er selbst sagt, "aus Spaß an der
Freud" hier in Eulenbis jedes Jahr wieder
mitmacht.
Als "Anhängsel" der Modellbahn- und
Spielzeugbörse bezeichnet sich Elisabeth Daniel.
Sie bietet Dekorationsartkel an. Die 69-jährige
aus Wörsbach ist ebenfalls schon seit Beginn
dabei, fühlt sich mittlerweile "wirklich
integriert". Alle österlichen Artikel, die
sie auf ihrem Tisch anbietet, sind selbst
gefertigt, die Holzsachen stammen aus der
Werkstatt ihres Mannes.
"Für uns als Gemeinde ist die Veranstaltung
im doppelten Sinne positiv zu bewerten",
berichtet Ortsbürgermeister Manfred Bügner.
Zunächst werde der Bekanntheitsgrad des Orts
gesteigert und mit dem Erlös aus der Börse
seien schon einige Projekte finanziert worden.
"So konnten wir von den Einnahmen
beispielsweise eine Buswartehalle bauen und ein
Beschilderungssystem erwerben", so Bügner.
Gerd Stier hat sich für nächstes Jahr etwas
Neues ausgedacht, er möchte zusätzlich eine
Ausstellung anbieten, in der komplette
Bahnenanlagen besichtigt werden können, ganz
ohne Verkauf. "Das muss zwar vorfinaziert
werden, aber das kriegen wir schon hin",
zeigt sich der 60-jährige optimistisch. (aüd)
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